Rio de Janeiro, Brasilien. 2014
Leistungphase: 1 - 3 (HOAI) / Neubau einer Schule für Digitale Kunst;
Bau mit Öffentlich-Privater Partnerschaft (ÖPP); Geschätzte Bausumme: ca. 189.000 €
Leistungphase: 1 - 3 (HOAI) / Neubau einer Schule für Digitale Kunst;
Bau mit Öffentlich-Privater Partnerschaft (ÖPP); Geschätzte Bausumme: ca. 189.000 €
Das Projekt Baobah – Schule für Digitale Kunst basiert auf einer architektonischen Auseinandersetzung mit Identität, Erinnerung und sozialem Raum. Inspiriert von der afrikanischen Baobab-Baum-Typologie, der in vielen Kulturen als Ort des Wissens, der Versammlung und der kollektiven Entscheidungsfindung fungiert, übersetzt das Gebäude diese symbolischen Qualitäten in eine zeitgenössische, organische Architektur. Die räumliche Komposition folgt einer zentralen, tragenden Struktur, aus der sich unterschiedliche Nutzungsebenen entfalten – analog zur Morphologie des Baobabs. In Anlehnung an theoretische Positionen der Architekturliteratur, etwa zum kritischen Regionalismus (Frampton rezipiert im deutschsprachigen Diskurs), zur Ortsspezifik (Norberg-Schulz) und zur sozialen Architektur (Lina Bo Bardi), übernimmt das Projekt eine erzählerische Funktion: Form, Raum und Nutzung artikulieren sich als kultureller und politischer Ausdruck und schlagen eine Brücke zwischen afrikanischem Erbe, den historischen Quilombos und den daraus hervorgegangenen Favelas Rio de Janeiro.
Der Entwurfsprozess wurde von Architekt Dietmar Starke, Vertreter der Bauhaus-Tradition in Brasilien und Begründer des Konzepts der Urbanen Zelle (Célula Urbana), fachlich begleitet. In dieser Tradition wird Architektur nicht als isoliertes Objekt, sondern als integraler Bestandteil urbaner, sozialer und kultureller Prozesse verstanden – ein Ansatz, der in deutschen Fachpublikationen wie Detail, ARCH+ oder Bauwelt vielfach diskutiert wird. Die Schule ist als hybride Struktur konzipiert, die Bildungsräume, öffentliche Zirkulation und landschaftlich integrierte Aufenthaltsbereiche miteinander verbindet. Die Nähe zur Bahnlinie wird bewusst als infrastrukturelles und symbolisches Element genutzt und interpretiert Mobilität, Durchlässigkeit und Sichtbarkeit als positive urbane Qualitäten.
Zentral für das Projekt war ein partizipativer Planungsprozess, der sich an Methoden der Bürgerbeteiligung orientiert, wie sie in der deutschen Stadtforschung und im sozialen Wohnungsbau etabliert sind. Während mehrerer aufeinanderfolgender Samstage fanden intensive Begehungen und Workshops in der Favela statt, begleitet von Rumba, Vertreter des Gemeindezentrums. Über 30 Bewohnerinnen und Bewohner, darunter auch Kinder, wurden interviewt und aktiv in den Entwurfsprozess eingebunden. Als Ergebnis dieses Dialogs wurde ein gemeinschaftlicher Architekturwettbewerb organisiert, bei dem die Bevölkerung selbst über die Projekte abstimmte. Das Projekt Baobah – Schule für Digitale Kunst erhielt die meisten Stimmen und steht damit exemplarisch für eine Architektur, die nicht nur für, sondern mit der Gemeinschaft entwickelt wurde – im Sinne eines sozial verantwortlichen, zeitgenössischen Bauens.